2018 in Metal… Teil 1

Die in meinen Augen wichtigsten Metal-Scheiben des Jahres bisher und was davon wirklich brauchbar ist.

Parkway Drive – Reverence

Mit den Singleauskopplungen „The Void“ und „Prey“, die verdächtig an den Song „Vice Grip“ vom Vorgängeralbum erinnerten, war ich hin- und hergerissen, ob ich die Band nun feiern oder abschreiben sollte. Eins ist schon mal klar: Parkway Drive sind den Schritt in Richtung Stadionrock konsequent weiter gegangen. Die Gute Nachricht: Die Australier können nach wie vor Songs schreiben, was sie auf „Reverence“ definitiv unter Beweis stellen. Auch fällt sofort die extrem Fette Produktion des Albums auf. Reverence ist zwar komprimiert ohne Ende (wie die meisten modernen Metal Alben), aber erfreulicherweise verzerrt so gut wie nichts. Becken klingen klar und sauber, die Gitarren sind räumlich gut getrennt und bilden eine Eindrucksvolle Soundwand und das Schlagzeug klingt voll und saftig. So macht das natürlich extra viel Laune. Wie schon der Vorgänger „Ire“ ist das Album ziemlich Midtempolastig und sehr sehr leichte Kost, was die gemischten Reviews bisher erklärt. Klar, man kann der Band Ausverkauf vorwerfen. Oder Einfallslosigkeit beim Songwriting. Dann sollte man aber konsequent sein und zahnlose Langweiler wie Five Finger Death Punch erst recht in die Tonne treten.

4/5

Bullet for My Valentine – Gravity

BFMV sind zurück! Ich gehöre zu dieser Generation, die „The Poison“ noch angehimmelt hat (Emo-Phase?) und alles danach scheiße fand. Als dann neulich neue Songs der Band in meinem Spotify-Feed aufgetaucht sind, bin ich natürlich hellhörig geworden (Nostalgie?). Jetzt ist also das komplette neue Album draußen und was soll ich sagen… Es ist gut geworden! Textlich natürlich auf Charts-Beziehungsblabla-Niveau. Musikalisch jedoch überraschend reif. Elf eingängige und massenkompatible Tracks inklusive zweieinhalb Balladen warten auf euch, also in jeder Hinsicht ein Poprockalbum. Kann man sich anhören.

3/5

Tremonti – A Dying Machine

Gegenüber sogennanten Solo-Projekten war ich schon immer skeptisch. Meistens handelt es sich dabei um einen uninspirierten Cash-Grab oder, im Falle von Gitarristen, einen Vorwand, um sich einen auf die eigenen Intrumentenskills runterzuholen. Mark Tremonti war hier immer eine erfreuliche Ausnahme, die mich anfangs doch sehr überrascht hat. Hier standen immer die Songs im Vordergrund und auf übertriebene Solo-Orgien wird gar ganz verzichtet. Nun, die bisherigen Releases waren allesamt solide Rockalben, die sowohl starke Songs als auch ein paar Gurken bereithielten. Mit „A Dying Machine“ verhält es sich ganz ähnlich. Diesmal handelt es sich um ein Konzeptalbum, was man interessanterweise auch heraushört. Mehr als die Vorgänger klingt dieses Album wie aus einem Stück und ist grundsätzlich besser durchhörbar. Ganz auf den Hypetrain anderer Magazine möchte ich jedoch nicht aufspringen, denn teilweise klingen die Songs auch ein wenig fade und uninspiriert. Gerade „From The Sky“ und der Titeltrack „A Dying Machine“ könnten auch als Fahrstuhlmusik in Chad Kroeger’s Villa herhalten und dürfen getrost übersprungen werden. Allgemein ist auch diese Tremonti Scheibe allerdings sehr sehr solide, somit gibt’s von mir nen Daumen nach oben (aber nur einen!).

3/5

Tribulation – Down Below

Spätestens nach dem ultra-gehypten „The Children of the Night“ sind Tribulation der Soundtrack der Wahl für einen Roadtrip durch Transilvanien. Gitarrenmelodien, die wie klingen, als wären sie aus Horrorfilm Soundtracks geklaut, treffen auf groovige Rhythmen und typische Schweden-Death-Metal-Growls. Gegenüber dem Vorgängeralbum haben Tribulation nicht wirklich etwas an ihrem Stil verändert, was grundsätzlich eine gute Sache ist. Die Produktion ist auch eine runde Sache, was für dieses Genre ja auch nicht mehr üblich ist. Kaufempfehlung!

4/5

Amorphis – Queen of Time

Amorphis hatte ich nun gute drei Alben lang ignoriert. Circa seit „Silent Waters“ ließ deren Songwriting einfach dermaßen nach, dass es unmöglich erschien, ein ganzes Album ohne Einschlafen durchzuhören. Gute Nachricht: Amorphis sind zurück! Wie haben sie das gemacht? Das wird schon beim Opener „The Bee“ klar: Back to the Roots. Sofort fallen einem dominante Synthie-Melodien und vorherrschende Death-Metal-Growls ins Ohr. Die Tradition wird während des gesamten Albums fortgesetzt, aber dabei belassen es die Finnen glücklicherweise nicht. Statt einfach die Uhr zurückzudrehen, wird die klassische Amorphis-Soundsignatur um neue Elemente, wie weibliche Chöre und leise Orchesterklänge ergänzt. In „Daughter of Hate“ wird sogar wieder das Saxophon aus der Kiste geholt. Ganz große Klasse meiner Meinung nach. Einziger Kritikpunkt am Album: Der Schlagzeugsound könnte etwas mehr Punch vertragen. Ansonsten eine durch und durch gelungene Demonstration, dass Amorphis es immer noch drauf haben und eine mehr als würdige Kompensation für den lahmen Scheiß, den die Jungs in den letzten paar Jahren veröffentlicht hatten.

4/5

Sevendust – All I See Is War

Sevendust waren schon immer eine meiner Favourites, allerdings musste ich das letzte Album „Kill the Flaw“ überspringen, weil das Mastering so beschissen komprimiert war, dass ich von Becken und Crashdrums Ohrenkrebs bekommen habe. Dieser Flaw wurde beim aktuellen Album zum Glück gekillt. Wie alle modernen Rockalben ist „All I See Is War“ immer noch zu laut gemastert und es sind deutlich Artefakte und Verzerrungen zu hören, aber was solls… Sevendust bringen konstant hochwertiges Material raus und so ist auch dieses Album mehr als genießbar. Gut!

3/5

Bleed From Within – Era

Seit Jahren ist das Genre Metalcore/Modern Metal dermaßen überladen, dass Plattenlabels die Newcomer wohl nach dem Zufallsprinzip auswählen und so gemischt ist auch die Qualität in den CD-Regalen (oder Spotify Listen, ist ja schließlich 2018). Ein paar Namen sind allerdings seit Jahren schon Garanten für Qualität. Darunter Unearth, Sylosis, Lamb of God oder Architects. Mit einigen dieser Größen waren Bleed From Within auch schon auf Tour, was den Sound der Band natürlich stark beeinflusst hat. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass die Jungs wie eine gesunde Mischung der aufgezählten Bands klingen. Mag sich jetzt wenig innovativ anhören und das sind die Briten sicherlich auch nicht. Dennoch ist „Era“ ein bemerkenswert gutes Album geworden, auf dem jeder Song reichlich Alleinstellungsmerkmale aufweist und vor geilen Riffs und Hooklines nur so trieft. Sogar der Sound geht voll in Ordnung, klingt satt, punchy und gut ausbalanciert, ohne groß zu verzerren. Deshalb sollte sich jeder Metalfan dieses Album anhören.

4/5